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"Weser Kurier" vom 10.1.2006

Ein Juwel im Rankenwerk«
Mozartiade bei den Klarinettentagen.

Bremen. Komponisten-Jubiläen haben neben den großen Vorzügen auch einen Nebeneffekt: die Begegnung mit Unbekanntem und Vergessenem. Denn Interpreten, die noch nicht in Selbstgenügsamkeit erstarrt sind, gehen gern auf Spurensuche und holen aus den Archiven Stücke, die dort wohl bis auf den Sankt Nimmerleinstag verstaubt wären. Auf diese Weise glückte den Veranstaltern der Norddeutschen Klarinettentage mit einer »Mozartiade« in der Kirche Unser Lieben Frauen ein sehr reizvolles Programm, das schließlich mit einem erlesenen Kleinod der Kammermusik, dem Klarinettenquintett A-Dur KV 581 den Gipfelpunkt erreichte. Als abgebrochene Vorstufe hierzu kann man das Allegro B-Dur für Klarinette und Streichquartett KV 516 bezeichnen, entstanden in »Cosi fan tutte«-Nähe und ebenso belebt von bezwingender kompositorischer Eleganz. Den »Rahmen« hierzu boten ein Adagio F-Dur für Klarinette und drei Bassetthörner und ein Canonic-Adagio für zwei Klarinetten und Bassetthorn, schöne, weihevolle Stücke, die an Mozarts Freimaurertum erinnerten. Noch seltener zu hören sind die Nocturnes für drei Singstimmen und drei Bassetthörner beziehungsweise zwei Klarinetten und Bassetthorn, wundersam und schmeichelnd grundierte Terzette, deren abendliche Stimmung bewiesen, daß es bei Mozart eigentlich keine Nebenprodukte gibt. Zudem fügten sich die Stimmen der Sopranistinnen Kristin Schulze und Hiroko Oike sowie des Basses Jong Hong Kim mit den feinsinnig argumentierenden Bläsern Jaan Bossier, Jan Doormann, Stefan Polster, Regine Müller und Sebastian Gette von Poblotzki zu harmonischer Fülle. Dann aber das Klarinettenquintett in einer bezaubernd intimen Interpretation! Marco Thomas und die Mitglieder der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen (die Geiger Florian Donderer und Stefan Latzko, die Bratschistin Friederike Latzko und die Cellistin Tanja Tetzlaff) behandelten das Werk, wie es einem Solitär gebührt: Tonlich von bester Qualität und in der Ausdeutung von subtilen Schattierungen und Schwingungen des Gefühls veredelt. Die Wiedergabe mit feinsinnig gezügeltem Mitteilungsdrang ließ keine »Rivalität« zu; reich differenzierter Klarinettenton »brüderlich« mit Kantilenen und Argumenten der vorbildlichen Streicher. Ein Genuss für den Hörer, ein Höhepunkt der Klarinettentage.

»Weser Kurier« vom 10.1.2006

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