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Weser Kurier 08.01.2008

Bläserglanz im Streichergewebe
Kammermusik als Höhepunkt der Norddeutschen Klarinettentage

Manchmal werden auch Orchestermusiker hochberühmt. So etwa Richard Mühlfeld, Soloklarinettist der Meininger Hofkapelle. Sein Spiel hat Johannes Brahms so stark beeindruckt, dass er seinen Vorsatz brach und nochmals zur Notenfeder griff, um eine Reihe von Kompositionen für und mit Klarinette zu schreiben, und wohl auch mit Kopf und Seele an den Auslöser dieses Schaffensimpulses, an Mühlfeld zu denken.
Eine der schönsten Kammermusiken des Johannes Brahms ist das Quintett für Klarinette und Streichquartett h-Moll, op. 115, dessen Wiedergabe in der Kirche Unser Lieben Frauen sich zu einem Höhepunkt der diesjährigen „Norddeutschen Klarinettentage“ emporhob. Es entfaltete sich als viersätzige Improvisation über einen Themenkern, ausgedacht von dem gewandtesten Satztechniker des 19. Jahrhunderts. Die Klarinette erschien in dieser stimmungsdichten Wiedergabe restlos integriert. Das war zu einem Marco Thomas zu danken, der wunderbar weich und zart, gelöst und intelligent zu blasen vermochte. Gerade auch im vorherrschenden Piano und Pianissimo leuchtete der Klang in differenzierten Farben und jeder Ton war von Sensibilität getragen.
Nicht minder souverän gestaltete das Streichquartett aus vier ersten Kräften der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen: Primgeiger Florian Donderer, Stefan Latzko (2. Violine), Friederike Latzko (Viola) und Tanja Tetzlaff (Violoncello). Jede Stimme wahrte ihr Eigengewicht im feinsinnig austarierten Klangbild. So ergab sich ein Musizieren von hohem Reiz, zumal sich stets der erblühende oder nachwehende, der anregende und der altersmild bestätigende Klarinettenton in das warm strahlende Streichergewebe einband.
Am Beginn des Konzertes stand eine Novität: „The Invisible Voice für Streichquartett und Klarinette“ von dem 1955 geborenen Johannes Reiche. Die Komposition gleicht einem tiefsinnig melodischen Trauergesang, den die unsichtbare (invisible) Klarinette aufzuhellen versucht: zuerst mit einem aus der Ferne heranschwebenden, frühlingsleicht aufmunternden Ruf, was insbesondere die obligat in ihrer Meditation eingesponnene Bratsche nicht zulassen mag, dann etwas forscher tröstend ein neuer Versuch, der allerdings ohne gewünschten Erfolg bleibt, ehe dem gemeinsamen Verlöschen ein groteskes Koboldgelächter folgt.
Ganz reizend als Kontrast hierzu Mozarts jugendfrisch aufmunterndes Divertimento KV 136, in der Aufführung unbeschwert in einer kunstvollen Naivität belassen. Starker Beifall.

»Weser Kurier« vom 08.01.2008 (Simon Neubauer)

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