»Das klingt so farbenfroh und kuschelweich« Ensemble Clarinet News spielte während der Norddeutschen Klarinettentage in der Kirche Unser Lieben Frauen. Von Simon Neubauer.
Bremen. Zwischen herzerwärmenden Kantilenen und jodelndem Kehraus sind die Klarinettisten im Konzertbetrieb von der Klassik bis zur Gegenwart eigentlich nicht unterbeschäftigt. Erfreulich deshalb, dass sich Bläser dieser Kategorie, meist solche in herausragenden Solopositionen, damit nicht begnügen und nach zusätzlichen Möglichkeiten freundschaftlichen Musizierens trachten – zur eigenen Freude und jener der genießenden Gourmets. Auf solche Weise entstand, von Marco Thomas, unter anderem Professor an der Bremer Hochschule der Künste, initiiert, das sechsköpfige Mitteldeutsche Klarinetten-Ensemble Clarinet News, das jetzt in der recht gut besetzten Kirche Unser Lieben Frauen die Norddeutschen Klarinettentage eröffnete. Natürlich ist die Literatur für sechs Klarinettisten, einmal abgesehen vom wundervoll innigen Adagio B-Dur (KV 484) von Mozart, äußerst rar. Deshalb traten die Bearbeiter in Aktion, vornehmlich Marco Thomas und Jan Doormann, ebenso geschmackvolle wie gewiefte Musiker, die sehr genau wissen, wie man den Originalklang mit Farben, Verzierungen, kessen Rhythmen und spritzigen Pointen erweitern kann. Daraus entstand ein höchst animierendes, mit »Clarinets in town« betiteltes Hörszenario, das sich von der Ankunft der Königin von Saba (Händels »Salomon«) bis zum »Rosaroten Panther« in Mancinis Kuschelsound spannte. Die Mitglieder der Clarinet News – neben den Genannten noch Sebastian Gette von Poblotzki, Stefan Polster, Regine Müller und Thomas Richter – geizten selbstverständlich nicht mit ihren Fähigkeiten, unschwer zu hören an der Qualität und den Farben des Klangs, an der sensiblen Phrasierung, überhaupt an der klug ausgefeilten Gestaltung und an der bezwingenden rhythmischen Perfektion.
Im Sentiment baden Unter den Werken des Barock fesselte insbesondere Bachs Toccata und Fuge d-Moll, unverwechselbar im zugrunde liegenden Orgelklang, doch »bildhaft« aufgefächert in den Registerfarben und in der polyphonen Durchsicht. Strawinskys erstes Stück aus den »Drei Stücken für Klarinette solo« aus dem Hagre 1919 hat meditativen Charakter und schwebte (im Christopherussaal interpretiert) wie aus einer irrealen Welt heran, gefolgt von zwei Sätzen der »Sonata for Clarinets in B and A« von Francis Poulenc, sehr innig im folkloristischen Andante, kess virtuos im »Vif«. Das »Petit Quatuor« von Jean Francaix, gefürchtet wegen der extremen Schwierigkeiten, entzückte durch die brilliante Formulierung, das spielerische Fabulieren, den Ulk. Im zweiten Teil konnte man nachvollziehen, wie sich George Gershwin in seinen »Three Preludes« mit der Tradition abplagte, wie Glenn Millers »Moonlight Serenade« im Klarinettenchor noch üppiger im Sentiment badete oder wie Rolf Kühn in seinen »Clarinet Connections« geradezu glorios die Ausdruckswechsel des Jazz sowohl eruptiv motorisch wie figurativ fließend auskostete. Der begeisterte Applaus erzwang mehrere Zugaben.
»Weser Kurier« vom 10.1.2005
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